Ärztehaus Rudolf Virchow

Das Ärztehaus wurde nach dem Arzt, Politiker, Universitätsprofessor, Forscher und Archäologe Rudolf Ludwig Karl Virchow benannt. Aufgrund seines Bekanntheitsgrades und dem damaligen nach ihm benannten West-Berliner Krankenhauses der Freien Universität, erhofften sich die Besitzer zusätzliche Unterstützung aus Amerika. Dies führte schließlich zum Namen Rudolf-Virchow Ärztehaus.

Nach dem 1839 in Berlin begonnenen Medizinstudium und der im Oktober 1843 erfolgten Promotion in Pathologie absolvierte Virchow 1846 das Staatsexamen und habilitierte sich 1847. Bereits 1844 wies er das Krankheitsbild der Thrombose nach, einer bis dahin wenig erforschten Krankheit (nach ihm benannt: Virchowsche Trias - die typischen Thrombose-Ursachen), und 1847 erkannte und zeigte Virchow, dass entzündliche Vorgänge bei thrombosebedingten Gefäßverschlüssen gegenüber mechanischen Mechanismen nur eine sekundäre Rolle spielen.

Durch seine Forschungsergebnisse, die er nach einer 1848 in Oberschlesien durchgeführten Untersuchung einer durch Kleiderläuse übertragenen Fleckfieber-Epidemie mitteilte und als deren Ursache er – contraire zu Meinung der preußischen Bürokratie - vor allem soziale Bedingungen und mangelhafte Hygiene ansah, gilt Virchow als Begründer der modernen Sozialmedizin sowie auch als Mitbegründer der demokratischen Bewegung in Deutschland.

1871 wurde er Mitbegründer der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft. Zudem war er Förderer der deutschen Volkskunde und der Bildungseinrichtungen des preußischen Staates wie beispielsweise der Berliner Museen.

In Würzburg zu Berühmtheit gelangt holte Berlin Virchow 1856 auf einen eigens für ihn geschaffenen und in Deutschland einmaligen Lehrstuhl für Pathologische Anatomie zurück. Im Jahr 1858 erschien die Schrift "Die Zellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre" – eine neue Krankheitslehre war geboren. Bereits zuvor hatte Virchow in einem ersten Aufsatz mit dem Titel "Cellular-Pathologie" seine Überlegung von den Zellen als kleinste eigenständige Einheiten im Körper skizziert. Er führte darin alle Krankheiten auf Veränderungen der Körperzellen zurück.

Von 1859 bis zu seinem Tod 1902 war Virchow Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. In diesem Gremium setzte er sich für den Bau von Krankenhäusern und die systematische Erfassung medizinischer Daten ein.